Echo Klassik 2014: Die Preisträger

30 Aug

echo2014_klassik_logoDer Herbst ist die große Zeit der Preisverleihungen. Es werden Buchpreise wie der Nobelpreis für Literatur vergeben, Hörspielpreise verliehen und eben auch: Klassik-Preise. Unter letzteren hat sich in den vergangenen Jahren besonders der ECHO eine herausragende Stellung errungen, zumal er den Preisträgern eine große Medienöffentlichkeit bringt und damit oft auch ein klassikfernes Publikum erreicht. Seit 1994 wird der ECHO auch in der eigenen Rubrik Klassik verliehen. Dieses Jahr feiert der ECHO Klassik also sein 20-jähriges Bestehen. Oft sind die ECHO-Preisträger von heute die Referenzaufnahmen von morgen. Daher stellen wir die ECHO Klassik-Preisträger 2014 kurz vor.

ECHO Klassik: Die Kategorien

Der ECHO Klassik unterteilt sich in eine Vielzahl von Kategorien, um dem Facettenreichtum klassischer Musik gerecht zu werden. Unter den Kategorien sind z.B. Kammermusik-Einspielungen, Solisten-Konzerte oder auch Chorwerke; diese Kategorien werden dann nach Epoche weiter unterteilt (eine Barock-Oper lässt sich schließlich nur schwer mit einer Oper aus dem 21. Jahrhundert vergleichen). Verschiedenen Veröffentlichungsformaten wird ebenfalls Rechnung getragen. So gibt es einen Preis für DVD-Darbietungen, einen für Erstaufnahmen oder einen für audiophile Mehrkanaleinspielungen. Auch kommerziellen Erfolg zeichnet der ECHO Klassik aus, etwa in der Kategorie: Bestseller-CD des Jahres.

Die Kategorien sind im Einzelnen: Sänger und Sängerin, Instrumentalist (jeweils für Klavier, Flöte, Cello, Viola und Violine), Dirigent, Ensemble bzw. Orchester, Klassik-ohne-Grenzen-Preis, Sinfonische Einspielung (jeweils weiter unterteilt in die Epochen: bis inkl. 18. Jh., 19. Jh., 20./21. Jh.), Konzerteinspielung (ebenfalls unterteilt nach Epochen: inkl. 18. Jh., 19. Jh., 20./21. Jh.), Chorwerkeinspielung, Opernaufnahme (Epochenunterteilung auch hier: 17./18. Jh., 19. Jh. – allerdings unverständlicherweise nicht für 20./21. Jahrhundert), Solistische Einspielung (Epochen und Instrumenteeinteilung wie oben), Solistische Aufnahme im Bereich Gesang (Unterteilung nach Kategorien: Duette/Opernarien, Arien/Rezitale, Lied), Kammermusik (Epochenunterteilung wie oben), Editorische Leistung, Weltweite Erstaufnahme, Audiophile Mehrkanaleinspielung, Musik-DVD-Produktion und Bestseller des Jahres.

ECHO Klassik 2014: Preisträger – Viel Verdi, viel “neue Musik”

  • Sängerin des Jahres 2014 ist Anna Netrebko geworden. Prämiert wurde ihr Album mit dem schlichten Titel Verdi.
  • Sänger des Jahres 2014 wurde der polnische Tenor Piotr Beczala, der bereits zusammen mit Anna Netrebko zusammen gesungen hat. Auch er wurde für eine Verdi-Einspielung ausgezeichnet, nämlich für seine Aufnahme von Verdis Rigoletto, eine DVD-Aufnahme einer Inszenierung an der New Yorker Met, in der u.a. Diana Damrau und Zeljko Lucic mitwirken. Einen Ausschnitt davon (“Questa o quella”) kann man auf YouTube ansehen.
  • Die beste solistische Gesangseinspielung (Duette/Opernarien) geht ebenfalls an Verdi. Unzweifelhaft ein Nachwirken des gerade vergangenen Verdi-Jahres 2013. Der Preis geht an Jonas Kaufmann für sein Verdi-Album. Viva Verdi, also!

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  • Marc-André Hamelin erhielt den ECHO Klassik 2014 in der Kategorie Instrumentalist des Jahres (Klavier). Damit wurde einer der großen Pianisten unserer Zeit ausgezeichnet, dessen größtes Verdienst fraglos die Einspielung von Klavierwerken ist, die in Vergessenheit geraten sind. Den ECHO erhält Hamelin für seine Einspielung der späten Klavierwerke von Busoni.
  • Der ECHO Klassik 2014 in der Kategorie Instrumentalist des Jahres (Viola) geht an Tabea Zimmermann, die sich ebenfalls einem musikalischen Werk widmet, das eher unterrepräsentiert ist auf den deutschen Konzertbühnen, nämlich Hindemiths Werken für Viola.
  • Auch der ECHO Klassik 2014 in der Rubrik Violine geht an einen Zimmermann mit Hindemith-Aufnahme. Genauer: An Frank Peter Zimmermann (nicht mit Tabea Zimmermann verwandt), der die Violin-Sonaten und das Violinkonzert von Paul Hindemith eingespielt hat. Dass gleich zwei Hindemith-Aufnahmen dabei sind, dürfte daran liegen, dass sich 2013 der Todestag des Komponisten zum 50. Mal jährte.
  • Als Ensemble/Orchester des Jahres wurde der Chor des Bayerischen Rundfunks für seine wunderbare Aufnahme von Schnittkes Konzert für Chor. Auf der CD enthalten ist auch Musik von Arvo Pärt. Sie sei jedem Liebhaber zeitgenössischer Musik unbedingt ans Herz gelegt: Vielleicht von allen ECHO-prämierten Aufnahmen diejenige mit dem größten Potential zur absolute Referenzaufnahme zu avancieren.
  • Bei den großen Opern des 19. Jahrhunderts gewann Cecilia Bartolis Norma von Bellini, die, wie alle Aufnahmen Bartolis, auch wieder besonders durch das provokante (aber augenzwinkernde) Cover auffällt. Ein Hinhörer und Hingucker gleichermaßen für alle Freunde des Belcanto.
  • Die Kategorie Solistische Einspielung des Jahres (20./21. Jh.)-Klavier richtet sich an die Aufnahme, nicht, wie die Kategorie Instrumentalist des Jahres (s.o.) an den Interpreten. Den Gewinner in dieser Kategorie, den Klaviervirtuosen Arcadi Volodos, dürfte das nicht stören. Denn seine tastenlöwige Virtuosität tritt bei vielen der lyrischen Stücke von Mompou in den Hintergrund. Eine gelungene Aufnahme der Klavierwerke Mompous mit Volodos also, die die Anschaffung lohnt.
  • Zur großen Freude des Autoren dieses Blogs wurde also beim ECHO Klassik 2014 ein großer Schwerpunkt auf die sog. “Neue Musik” gelegt. Was ansonsten nicht selbstverständlich ist, ist in der Kategorie “Welt-Ersteinspielung des Jahres” hingegen recht üblich: Dabei handelt es sich meistens um Werke des 20. und 21. Jahrhunderts. So auch dieses Jahr. Der Preis geht an das Berliner Klaviertrio Trio Imàge, das sich den drei Klaviertrios des argentinisch-deutschen Komponisten Mauricio Kagel (1931-2008) angenommen hat. Die CD wurde von DeutschlandradioKultur augenommen und ist ein echtes Highlight der diesjährigen ECHO-Verleihung. Dem Trio gelingt es, die ganz eigene Melancholie (zuweilen auch: Verzweiflung) Kagels gekonnt einzufangen. Eine Aufnahme, an der sich künftige Einspielungen werden messen müssen: Trio Imàge spielt Kagel.
  • Und viele mehr… Die vollständige Liste lässt sich hier einsehen.
  • Und hier geht es zum offiziellen YouTube-Kanal des ECHO-Preises.

Ein Kommentar zum Artikel “Echo Klassik 2014: Die Preisträger”

  1. Maike Maiwald 29. November 2014 at 09:58 #

    Sehr geehrte Damen und Herren,

    ich meine gehört zu haben, dass es von der Echo Verleihung Klassik 2014 auch eine DVD geben soll; können Sie mir behilflich sein, wie ich an die DVD komme?

    Vielen Dank und viele Grüße

    Maike Maiwald

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